Mein letzter Flug ging nach Newark, der *andere* Flughafen von New York. Der Flug war lang, 9 Stunden. So hatten wir nicht gewettet. Ich dachte, dass es nicht so weit ist bis New York. Aber ich denke mal, dass der Captain weiss, wo er lang zu fliegen hat. Es war ein turbulenter Flug und zum ersten Mal in meiner nun schon sehr langen Karriere als Flugbegleiterin, kam der Spruch: "Cabin Crew, please be seated!" Da ich auf 4RA (Essen in der Business Class) gearbeitet habe, war mein Sitz natürlich weit, weit weg (nämlich an der 4er Tür und ich war an der 2er Tür) und es blieb mir und dem Kollegen nichts anderes übrig, als uns in die Business Class zu setzen. Schlimm sowas... ;o) Es folgten also 10 Minuten des Ausruhens, bevor es weiter ging mit dem 1. Service. [Anmerkung: Turbulenzen gibt es grundsätzlich nur während der Serviceblöcke! Nie während der Pause! Das wäre ja langweilig!]
Wir hatten ja auch zum ersten Mal in meiner Karriere einen VIP an Bord. Die Begum Aga Khan. Jo, genau die und ihre aufgespritzten Lippen samt ihrer Mutter, der Thyssenhenne (die heisst echt so. Naja Bindestrich vor der Henne.), mit ebenso aufgespritzten Lippen. Im synchron die Nasepudern sind die beiden spitze. Also wenn das olympisch wird, müssen die nicht weiter trainieren, die stehen als Siegerinnen fest. Waren aber beide sehr nett.
Dann waren wir also knapp vor New York und ich durfte ins Cockpit. Mal wieder! Als Küken hat man so seine Vorteile. Und ich sage euch, es war der Hammer! Vergesst Tokio, vergesst München, vergesst Pusan! Der Landeanflug auf Newark ist das Beste (bisher). Ich bin kein ausgesprochener New York Fan. Aber New York im Dunkeln von oben. Ein Traum! Wir flogen direkt auf Manhattan zu, genauer gesagt direkt auf das Empire State Building (OHNE SCHLECHTE ABSICHTEN NATÜRLICH!!!). Und es ist sagenhaft, wenn das Teil vor einem immer größer wird. DIe Gedanken gingen von: "Ey, du bist zwar der Typ mit der Mütze und sitzt vorne links, aber bist du dir wirklich sicher, dass das kleine Licht da vorne das Empire State Building ist?" über "Ähm ja, mit viel Phantasie könnte das hinkommen." zu "Oh mein Gott, wir fliegen auf das Empire State Building zu!!!" Es war der Wahnsinn. Wirklich! Allein dafür hat es sich gelohnt Flugbegleiter zu werden. Jetzt muss ich nur noch einen FLug nach Chicago bekommen, denn da ist der Landeanflug bestimmt noch tausendmal schöner als NYC. Mal sehen.
Naja, nach der Landung haben mich die Amis tatsächlich ins Land gelassen. Nicht ganz ohne Hickhack, aber es ging relativ schnell. Und dann waren wir auf dem Weg nach Morristown, New Jersey. Das Crew Hotel wurde geändert, so dass wir nicht in "Kaff ohne Sehenswürdigkeiten" waren, sondern in "Kaff wo Blindenhunde ausgebildet werden". Wer von euch schaut Gilmore Girls? Hände hoch! Okay, Morristown ist wie Stars Hollow! Da gibt es sogar diesen kleinen Park im Stadtzentrum, der noch weihnachtlich geschmückt war. Und ich schwöre euch, ich habe Taylor um die Ecke rennen sehen, natürlich hinter Kirk her. Ich schwöre!!!
Wir waren dann abends noch in einer Kneipe/Bar die sich Grashoppers nennt, denn wir hatten noch einen Geburtstag zu feiern. Dann ging es in die Heia. Theoretisch. Also ich persönlich habe ja nicht geschlafen, vielleicht so 4 Stunden. Können auch 5 gewesen sein. Den Morgen habe ich damit verbracht, mir amerikanische Nachrichten anzuschauen, denn es ist ja Vorwahlkampf und die gute alte Hilly hat in New Hampshire gewonnen. Danach ging es zum Frühstück zu Luke. ;o) Naja, nicht wirklich zu Luke, aber es war wie bei Luke. American Diner! Lecker amerikanisches Frühstück. Noch ein kleiner Abstecher zu Dunkin' Donuts, in die Drogerie und ins Department Store und danach ins Hotel. Schlafen. Theoretisch. Ich habe dann doch noch 45 Minuten geschlafen. Dafür gab es Harry Potter im TV (ohne Werbung, da HBO, war der Feuerkelch, also Teil 4?). Dann noch ein Sandwich gekauft und zu diesem Zeitpunkt - es war als ich anfangen musste mich aufzuhübschen - hätte ich gut und gerne 8 Stunden schlafen können. Schicksal...
Es ging also müde auf den Flieger. Volles Haus! Ich wieder auf 4RA. Die Zeit vertrieben wir uns mit Service, Jammern über die schmerzenden Füße (die Fußbodenheizung in der Galley war auf unsgefähr 90°C zu hoch eingestellt und selbst die Herren der Schöpfung hatten große Schmerzen trotz der flachen Schuhe) und einem medizinischen Notfall. Reiseübelkeit. Pfui. Aber wenn man weiss, dass man darunter leidet, wieso in 3 Teufels Namen muss man sich dann vor dem Flug noch 3-5 Schlaftabletten einschmeissen (Nein, die Dame war KEINE Amerikanerin!). Auf jeden Fall war sie nicht ansprechenbar. Arzt wurde ausgerufen, es war kein Hautarzt, aber ein Kardiologe. Der hat geholfen, ein bisschen. Dann gab es noch die Hotline für solche Fälle in Stuttgart, die auch versucht haben zu helfen. Und nach der Landung dann der Notarzt, der am Gate wartete. Zum Glück mussten wir nicht zwischenlanden. Dann hätten meine HInterläufe mich umgebracht. Ich sage es euch! Pause gab es dieses Mal in der Business, dort hatten die netten Amis von der Station uns Sitze geblockt. 55 Minuten Schlaf. Ein Anfang...
Ein persönliches Highlight dieses Umlaufs hatte aber nichts mit dem Flug zu tun. Ich hatte mir schon in Deutschland vorgenommen, mir eine Telefonkarte zu kaufen, damit ich meine Gastfamilie anrufen kann. Das habe ich dann auch getan und die Enttäuschung war groß, als das Telefonieren aus dem Hotel nicht funktionierte. Echt schade. Ich wollte auch nicht vom payphone an der Hauptstraße telefonieren. Abgesehen davon, dass das laut gewesen wäre, hätte ich dafür ja das Hotel verlassen müssen. Außerdem hätte Taylor mich dann sicherlich belauscht. Am Flughafen war es dann jedoch so, dass unser FliegFlieg noch nicht da war und wir zum einen unser Briefing am Gate gemacht haben (sonst in der First Class) und wir dann noch eine Viertelstunde "Auslauf" bekommen haben. Auslauf bedeutet: "Haut ab, und kommt dann und dann wieder!" FBs lieben Auslauf am Flughafen (duty free, essen...). Ich dagegen sichtete ein pay phone! Zückte meine Telefonkarte und rief meine Gastfamilie an. Joan und Ken waren leider nicht da, dafür aber Hannah. Die ersten 5 Minuten waren in etwa so: "Oh my gosh, is that really you?", "It's so cool that you are calling!", "This is soooo awsome!", "It's so great, thanks for calling!". Hannah war 10, 11 Jahre als ich in Evanston war und ist nun 16 Jahre. Und sie hat sich soooo erwachsen angehört. Sie fährt jetzt schon Auto! Es ist der Wahnsinn! Wir waren beide total aufgeregt und haben wirklich 5 Minuten gebraucht, um uns zu fangen und von "it's awesome" wegzukommen und ein normales Gespräch zu beginnen. Hannah war im Sommer für 10 Wochen in Chile als Austauschschülerin und wird im Sommer für ein Halbjahr in Vermont auf eine Schule gehen. Ich muss unbedingt vorher nach Chicago kommen! Unbedingt!!! Denn es ist zwar nur ein kurzer Aufenthalt dort, aber für ein Dinner oder Brunch reich es alle mal. Naja, nach diesem Telefongespräch war ich auf jeden Fall total glücklich und zufrieden. Mission: accomplished!
Ja, und gestern war ich nun das erste Mal ALLEINE in München. Diese Stadt macht mir Angst. Die Leute reden komisch (;o) ) und es gibt so viele von denen. Das könnte daran gelegen haben, dass es Samstag Nachmittag war... Auf jeden Fall habe ich meine Schuhe bekommen. Schöne Galleyschuhe in schwarz, damit ich wechseln kann. Herrlich! Mal gucken, ob die tatsächlich so bequem sind, wie sie im Moment tun.
Morgen (also Montag), geht es nach SFO. Freue ich mich drauf. Danach geht es nach Hildesheim und Hamburg und am nächsten Dienstag bin ich dann mal wieder in Frankfurt zur Kurzstrecken-Schulung. Und danach fängt der Ernst des Flieger-Lebens an. Und noch ein Mini-Ausblick auf Februar. Ich habe Urlaub. Jep! Freude! Und zwar vom 15. bis 22.2.. Und da bin ich in Salzgitter/Braunschweig. Vielleicht trifft man sich ja!
So, muss Koffer packen!
LG
Julia
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